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Nachrichten aus dem Kreisverband

Foto: Alexander Gonschior
Dr. Emanuel Peter, Stadtrat, Rottenburg

Dr. Emanuel Peter, Stadtrat Rottenburg

Was hängt alles am (Rottenburger) Schlachthof?

Schließung gefährdet unsere Nahversorgung

Der Widerstand gegen eine Schließung des Rottenburger Schlachthofs ist ungebrochen, wie man an den zahlreichen Leserbriefen deutlich merken kann. Das ist erklärlich, wenn man überlegt, was alles von einem örtlichen Schlachthof abhängt !

Aktuell finden am Schlachthof mindestens 3.000 Schlachtungen von Schweinen, 2.000 von Schafen/ Lämmern und etwa 850 Rindern statt, alle überwiegend aus dem Landkreis Tübingen. Er wird von funktionierenden Handwerksbetrieben (Metzgern), Landwirten, Schäfern und Selbstvermarktern betrieben. Darüber hinaus hängen Metzgereien, Restaurants und zahlreiche Streuobstwiesen durch die Beweidung mit Schafherden ab. Einige Schäfer müssten ihren Betrieb aufgeben, wenn für sie die Schlachtung durch einen entfernten Schlachthof teurer wird. Dies schadet unserer „Fair-trade-Stadt“ mit seinem schönen Naherholungsangebot. Die aktuelle Corona-Krise macht uns täglich deutlich, wie schädlich es ist, aus Gründen der „wirtschaftlichen Tragfähigkeit“ die Nahversorgung mit Lebensmitteln aus kontrolliertem Anbau und kontrollierter Schlachtung zu beseitigen. Denn dadurch werden wir  noch stärker abhängig von Massentierhaltung und Tiertransporten über hunderte Kilometer, die den CO2-Verbrauch und die Güllemengen in die Höhe treiben.

Schlachthöfe in der näheren Umgebung sollen geschlossen werden, Balingen wegen der Landesgartenschau 2021 und Metzingen. Ob Gärtringen „kostengünstiger“ ist und weniger Folgeschäden für Landwirte und Kunden hat, ist sehr fraglich. Auf jeden Fall geht es nicht nur um „Kosten“, sondern um die Grundsatzfrage, was für eine Versorgung wir zukünftig haben wollen. Offensichtlich hat die Stadtverwaltung jahrelang Investitionen in die Sanierung des Schlachthofes verhindert, um ihn (wie jetzt) in ein Sanierungsgebiet einzugliedern und dafür Landesgelder „abzugreifen“. Um die Landwirtschaft und um ein Nahversorgungskonzept für unsere Flächenstadt hat sie sich seit Jahren nicht gekümmert. Dies wurde an ihrem gescheiterten Versuch, das Galgenfeld für einen Gewerbepark plattzumachen, für alle überdeutlich. Jetzt posaunen einige in der Stadtverwaltung in die Welt, der Schlachthof sei keine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge. Das ist eine grundsätzlich falsche Herangehensweise, um das Problem zu lösen. Rottenburg benötigt einen Schlachthof als Teil einen guten Nahversorgungskonzepts, das den Bedürfnissen der Bevölkerung, der Landwirte, der Metzger und der Kunden nach guten Lebensmitteln  und der Natur entspricht. Dafür setzt sich DIE LINKE ein.