Nachrichten aus dem Kreisverband
Semesterticket für alle
Warum zahlt eine Berufsschülerin für die Fahrkarte aufs Jahr gesehen viermal mehr als Studierende für ein Semesterticket? Wir wollen diese Ungerechtigkeit abschaffen. Schüler im Landkreis Tübingen sollen zukünftig nicht mehr gegenüber Studierenden benachteiligt sein. Ihre monatlichen Eigenanteile bei der Schülerbeförderung sind an das Naldo-Semesterticket anzugleichen. Auch solche sozialen Aspekte gehören in den neuen Nahverkehrsplan.
Wegen Kretschmanns Schuldenbremse halten die anderen Fraktionen unseren Vorschlag für nicht durchsetzbar; auf Kosten des Landeskreises ginge auch nichts. Warum eigentlich nicht? Es gibt es Überschüsse in der Kreiskasse. Immerhin wurde erreicht, dass sich die Schülerfahrpreise nicht mehr automatisch Jahr für Jahr erhöhen.
Im Kreistag werden morgen die Tarife für die Schüler der zukünftigen Gemeinschaftsschulen verhandelt. Es gibt unseren Vorschlag einer Anpassung für alle an die bestehenden ermäßigten Tarife der bisherigen Hauptschüler. Zu meiner Verwunderung zeigen sich die Grünen als die härtesten Gegner einer moderaten Fahrpreissenkung. Unser Vorschlag kostet nur 20 000 Euro jährlich zusätzlich und würde mehr Schüler im Kreis an Busse und Bahnen binden. Das Geld im ÖPNV wäre nachhaltiger angelegt als bei der Styroporberatung der Energieagentur.
Die TüBusUmsonst-Idee in der Stadt hat Boris Palmer mit Hilfe überregionaler Medien erfolgreich umgepolt, weg vom sozialökologischen Ansatz hin zum arbeitnehmerfeindlichen City-Maut-Projekt. Pendler aus dem ländlichen Umland wären die Hauptbetroffenen. Besonders die Beschäftigte mit Niedrigeinkommen sind schon jetzt am meisten benachteiligt: bei hohen Mieten, steigenden Gebühren für Strom, Wasser, Mobilität und Kitas.
Im Bericht des Jobcenters ist zu lesen, dass die Zahl der Erwerbslosen und Bedarfsgemeinschaften im letzten Jahr leicht gesunken sei. Das sieht nur statistisch gut aus. Über die gleichzeitig drastische Zunahme prekärer Arbeitsverhältnissen wurde leider nicht berichtet. Die schlechtesten Karten haben die Leute in der Region, die ohne Kündigungsschutz und für Armutslöhne unter 10 Euro arbeiten und zusätzlich beim Jobcenter um Aufstockung betteln müssen. Die LINKE startet deshalb zu Beginn der Ferienzeit eine Postkartenaktion im Kreis mit dem Slogan: „Ihnen einen erholsamen Urlaub! – Der Kellnerin einen guten Lohn“.
Bernhard Strasdeit, Kreisrat der Tübinger Linken

