Nachrichten aus dem Kreisverband
Lehrereinstellung und Bildungsmisere
Im Herbst beginnen in Tübingen offiziell drei Gemeinschaftsschulen mit längerem gemeinsamen und individuellem Lernen. Der pädagogische Stillstand unter CDU und FDP wird beendet. Bildung soll weniger von sozialer und nationaler Herkunft abhängen. Für diesen Bildungsaufbruch braucht es mehr und engagierte Lehrkräfte und Räume.
Die Forderung des Präsidenten des Landesrechnungshofes, in den nächsten Jahren 14.000 Lehrerstellen zu streichen, ist ein Frontalangriff auf die überfällige Bildungsreform und weltfremd angesichts des Unterrichtsausfalls.
Allein an Gymnasien besteht ein Überstundenberg von 1.400 Vollzeitstellen, trotz Spitzennoten erhalten in Tübingen aktuell nur 27 von 260 Bewerber/innen eine Stelle! Munding (CDU), der unfähig, war, den EnBW-Deal seines Parteifreunds Mappus zu prüfen, predigt die Mär von der „demografischen Rendite“.
Aber Schülerrückgang bedeutet nicht automatisch weniger Lehrerbedarf. Erstens hat er die zahlreichen Bildungsreformen, den hohen Unterrichtsausfall und Ganztagsunterricht verschlafen, die wesentlich mehr Lehrkräfte benötigen. Zudem forderten 80 Prozent der Stuttgarter Eltern kürzlich Wahlfreiheit zwischen G8 und G9.
Zweitens: Wenn in einer Schule mit 40 Klassen in jeder Klasse mit dreißig Schülern drei Kinder weniger sind, habe ich dieselbe Klassenzahl mit 27 Kindern, aber 120 Schülern weniger. Brauche ich deshalb vier Klassen (und Lehrer) weniger? Munding setzt Demografie zur Demagogie ein, zum Schaden unserer Schulen. Statt billiger Stammtischparolen braucht es für eine moderne Pädagogik kleinere Klassen, mehr Räume und eine mutige Einstellungspolitik – kein Kind darf zurückbleiben!

