Nachrichten aus dem Kreisverband
Keine Mondpreise
Nach einem Planungswettbewerb gibt es nun konkretere Pläne für die Bebauung des Baufelds auf dem Europaplatz. Im Technischen Rathaus sind die Pläne zurzeit ausgestellt. Vier Gebäude sind geplant, zwischen drei und sieben Stockwerke hoch – richtig so, denn wenn man die Fläche schon bebaut, sollte man sie auf jeden Fall ausnutzen, um Flächenverbrauch an anderer Stelle zu minimieren.
Viele Ideen, die die Planer haben, sind zu begrüßen: eine große grüne Achse zum Beispiel, damit der Übergang zum Anlagenpark nicht so hart ist. Es gibt aber auch Aspekte, die in den weiteren Diskussionen noch überprüft werden müssen: Für die Linke war immer klar, dass die Bebauung vorrangig der Wohnraumschaffung dienen soll. Tübingen hat schon sehr viele Arbeitsplätze, aber viele der Menschen, die hier arbeiten, können sich keine Wohnung in Tübingen leisten oder finden keine. Der Bedarf in Tübingen sind also keine weiteren Büros, sondern Wohnungen.
Auch, ob Tübingen ein weiteres Hotel braucht, muss angezweifelt werden. Was Tübingen braucht, sind nicht noch mehr Touristen oder noch mehr überteuerte Kurzzeitvermietungen, sondern Wohnungen etwa für Familien, denn die werden durch die hohen Preise massiv aus Tübingen herausgedrängt. Neben Wohnen auch Raum für Kultur einzuplanen, ist ein vordergründig sehr guter Plan – würde nicht gerade dort der Rotstift angesetzt. In so einer Lage dann nebenan auf der Fläche des ehemaligen Gesundheitsamts noch einen Konzertsaal vorzusehen, lehnen wir ab. Tübingen hat einige Säle und 10 Minuten (mit dem Zug) entfernt liegt mit der Stadthalle in Reutlingen ein eher unternutztes Konzerthaus. Mit den für einen Konzertsaal vorgesehenen Mitteln kann die Kultur auch sinnvoller gefördert werden. Und auf der geplanten Konzertsaalfläche wie auch auf dem eigentlichen Baufeld sollte Wohnraum entstehen, der dauerhaft dem Markt entzogen ist.
Es muss verhindert werden, dass mit dem durch die Lage schon sehr wertvollen Grund am Europaplatz noch weiter spekuliert wird und so künftige Mieter Mondpreise zahlen. Oder die Gemeinde, falls zukünftige Generationen die Grundstücke in städtischen Besitz zurückholen wollen. Am besten sollten die Grundstücke gar nicht verkauft werden, sondern per Erbpacht oder mit Wiederkaufrecht an gemeinnützige oder öffentliche Wohnungsgenossenschaften, -gesellschaften und ähnliche Wohnprojekte vergeben werden, denn nur die garantieren dauerhaft niedrige Mieten.

