Nachrichten aus dem Kreisverband
Kein Kind darf verloren gehen
Unter diesem Motto stellte Doris Hertkorn-Gärtner, Rektorin der Französischen Schule in Tübingen, ihre Gemeinschaftsschule auf Einladung der Fraktion BfH/ Die Linke vor. Tags zuvor hatte Rottenburgs Gemeinderat den Antrag auf eine Gemeinschaftsschule für Ergenzingen beschlossen. Stadtrat Bodenmiller (BfH) nannte dies längst überfällig, da in Baden-Württemberg die soziale Herkunft nach nie vor über den Bildungserfolg eines Kindes mitentscheidet.
Auch die Französische Schule musste 14 Jahre lang warten, bis sie als Gemeinschaftsschule anerkannt wurde. Jetzt ist sie landesweit die einzige der 42 Starterschulen, die längeres gemeinsames Lernen von der Grundschule an verwirklicht. Anstelle von Klassen lernen 45 Kinder in der gebundenen Ganztagsschule in acht jahrgangsgemischten Lerngruppen. „Unser Leitsatz ist die Verknüpfung von Vielfalt und Individualität, denn jedes Kind besitzt verschiedene Intelligenzen, die sich unterschiedlich entwickeln“, verkündete die engagierte Pädagogin, „also lernen jüngere Kinder von älteren und schwächere von stärkeren und alle gewinnen dabei.“ Selbstverständlich gehört die Inklusion von behinderten Kindern dazu. Allerdings hält die Rektorin die Stundenausstattung noch für unzureichend. Entscheidend für das Gelingen einer Gemeinschaftsschule ist das große Engagement von Eltern und Demokratie als schulische Lebensform für die Kinder: Schülerräte bestimmen über den rhythmisierten Schulalltag verantwortlich mit. Auf ihre Initiative wurde sogar der Unterricht mit einer selbst verfassten Umfrage evaluiert.
In der lebhaften Diskussion freute sich eine Mutter, dass besondere Rücksicht auf Kinder aus Migrantenfamilien bis hin zur Religionsausübung in der Schule genommen wird. Rektor Kohler (Weggentalschule) sah ein offenes Problem in der Lehrergewinnung, da die Schulbezirksgrenzen wegfallen und Schulen zu wenig Autonomie in der Stellenausschreibung besitzen. Für Stadtrat Emanuel Peter (Die Linke) benötigt Ergenzingen die Mitarbeit von Lehrkräften aller Schularten. Wegen zurückgehender Schülerzahlen können 70 Prozent der Schulstandorte nur dann gerettet werden, wenn in einer Gemeinschaftsschule alle Abschlüsse von Haupt-, Realschule und Gymnasium von Klasse 5-10 angeboten werden. Deshalb sei eine Koordination für Gemeinschaftsschulen auf Landesebene wichtig.

