Nachrichten aus dem Kreisverband
Hans Gmelin an erster Stelle
"Nicht erforscht", aber bekannt ist unter anderem, dass Hans Gmelin seit 1933 in der SA und seit 1937 Mitglied der NSDAP war. 1936 wurde er als "Führer des Siegessturms im Reichsgepäckmarsch" ausgezeichnet. 1938 während der Sudetenkrise war Gmelin Führer der Kompanie "Hanns Ludin" im Sudetendeutschen Freikorps. Dieses wurde von der SA betreut und provozierte im Grenzgebiet Zwischenfälle. Dabei wurden 150 Menschen getötet.
Im Januar 1941 wechselte Gmelin an die Deutsche Gesandtschaft Preßburg in der Slowakei. Deutscher Bevollmächtigter war dort Hanns Ludin. Gmelin wurde Ludins Adjutant und war zuständig für Organisation, Personalwesen und die Protokollabteilung. Zudem arbeitete er als "Volkstumsreferent". Nach der Gründung der Slowakei wurden dort die nationalsozialistischen Maßnahmen für Juden übernommen. Sie beinhalteten Enteignungen, Ausgangssperren, Kennzeichnungspflicht durch gelbe Armbinden mit Davidstern sowie Versammlungsverbote.
Gmelin bezog 1944 ein "arisiertes" Haus in Preßburg. Als Gesandtschaftsrat war er auch an der "Endlösung der Judenfrage" in der Slowakei beteiligt, durch die etwa 59000 slowakische Juden zwischen März und November 1942 in die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka und Sobibor deportiert und dort größtenteils umgebracht wurden. Gmelins Namenskürzel findet sich unter anderem auf Schriftstücken, die die Ankunft Adolf Eichmanns oder Besprechungen mit Eisenbahnern betreffen, sowie auf Schriftverkehr zur Deportation der Juden.
Zudem nahm Gmelin an Besprechungen bei Ludin teil, bei der zwei Dokumente des Vatikans an die slowakische Regierung thematisiert wurden, in denen von der Vernichtung der Juden die Rede war. Während des slowakischen Nationalaufstandes war Gmelin 1944 der Verbindungsmann des SS-Obergruppenführers Gottlob Berger. Für seine Bemühungen bei der dortigen Partisanenbekämpfung wurde Gmelin mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Erst in höherem Alter bezeichnete Gmelin sich selbst öffentlich als Mitglied der "Tätergeneration".
Auch wenn es für viele schwierig ist, diesen Tatsache ins Auge zu sehen, Hans Gmelin ist an erster Stelle einer Reihe mit Theodor Haering und Adolf Scheef zu sehen. Deshalb gehören nicht nur diese von der Tübinger Ehrenbürgerliste gestrichen, sondern auch der Täter und frühere Tübinger Oberbürgermeister Hans Gmelin. Solange dies nicht passiert, halten wir es für unzumutbar neue Ehrenbürgerschaften zu verleihen.
Angela Hauser, Stadträtin der Linken-Fraktion

